kommunales Kino
Sylvie Testud als Christine
Lourdes
Regie: Jessica Hausner
Österreich / Frankreich / Deutschland 2009
99 Minuten
keine Altersbegrenzung
Darsteller: Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier, Gerhard Liebmann, Bruno Todeschini

24. und 25. August 2010

Christine ist gelähmt. Ihr durch die Krankheit verändertes Leben hat sie in eine unfreiwillige Isolation gezwungen, die sie überwinden möchte. Sie sehnt sich danach, wieder dazu zu gehören, alles tun zu können, was die anderen so problemlos können, normal zu sein. In Maria, einer jungen Malteserin und Christines Betreuerin, findet sie das Bild ihrer Vergangenheit, und eine neue Hoffnung erwacht in ihr; Maria begleitet Christine in die Bäder und zu den Prozessionen.

Aber Marias Jugend sehnt sich nach ihresgleichen, manchmal versucht sie dem Anblick der Krankheit zu entkommen, sich zu amüsieren, und Christine beobachtet diese Welt der anderen sehnsuchtsvoll, während sich nun Frau Hartl ihrer annimmt.

Frau Hartl ist eine ältere Pilgerin, die zwar kein körperliches Gebrechen hierherbringt, aber von ihrer lebenslangen Einsamkeit gequält ist, die sie hier lindern möchte. Ihre wortlose Leere wartet darauf gefüllt zu werden, durch eine Aufgabe, durch einen Sinn, den sie nun darin findet, für Christine zu beten - und ihr Gebet wird erhört: Tatsächlich kommt es im Verlauf des Aufenthaltes zu einer Besserung von Christines Zustand bis hin zu einer Heilung, Christine kann wieder gehen.

Das Wunder wird nun vor dem Ärztekommitee in Lourdes geprüft - die Ergebnisse dieser Prüfung sind fraglich, da Christines Krankheit die Möglichkeit schubhafter Besserungen wie Verschlechterungen kennt. Während die Möglichkeit eines Rückfalls drohend über Christine schwebt, genießt sie das Glück, das sich für diesen Moment erfüllt hat, und versucht es festzuhalten.

Muss man sich ein Wunder verdienen? Im Wallfahrtsort Lourdes erhebt sich eine junge Frau aus ihrem Rollstuhl. Geheilt? Privilegiert? Oder letztlich doch von Gott verlassen? Glaube, Hoffnung, Liebe: LOURDES verfolgt Grundkonstanten menschlicher Selbsterfindung mit lakonischem Humor und latentem Grauen.
Text & Foto: NFP